Le Gallerie degli Uffizi - Teil 1

Florenz. Ein Besuch in einer Stadt, die geprägt ist vom kulturellen Einfluss der Medici. Unglaubliche Schätze sind dort zu finden: architektonisch beeindruckende Gebäude, Kirchen und Plätze, kleine Cafés und Kultur im Überfluss. So beeindruckend wie die Stadt selbst sind es auch die Uffizien.

Im 1. OG betritt man den Hauptgang der Uffizien. Von dort aus besucht man die einzelnen Säle mit ihren Kunstwerken.

Ohne Reservierung ist es schwierig, vor Ort noch Tickets zu bekommen. Hat man seinen Zeitslot gebucht, ist der Einlass schnell abgewickelt, und man betritt das Gebäude über den schönen Innenhof mit seinen Arkaden im Erdgeschoss.

Im ersten Obergeschoss beginnt der Rundgang. Lichtdurchflutet betritt man den langen Gang, gesäumt von Marmorbüsten alter römischer Kaiser und Denker. Allein dieser Blick den Gang hinunter lässt einen staunen — erst hier wird einem bewusst, welche Schätze hier verborgen sind.

Cicero — Redner, Philosoph und Senator

Zwei Büsten bleiben dabei besonders im Gedächtnis. Zum einen Marcus Aurelius — Kaiser, Feldherr und stoischer Philosoph, der mit seinen Selbstbetrachtungen eines der bedeutendsten philosophischen Werke der Antike hinterlassen hat. Die präzise gemeißelten Locken, der ruhige, nachdenkliche Blick. Zum anderen Cicero — Redner, Philosoph und Senator, dessen Schriften über Rhetorik und Staatskunst das Denken der florentinischen Humanisten maßgeblich prägten. Ihn hier in Stein zu sehen ist kein Zufall. Er gehört zur geistigen DNA dieser Stadt.

Botticelli und die Geburt der Venus

Über knarrende Holzböden bewegt man sich fort und sucht die einzelnen Zimmer auf, die die eigentlichen Schätze beherbergen. Man durchläuft die Kunst im Wandel der Zeit — von den ersten sakralen Kunstwerken Giottos bis zur Barockzeit Rembrandts. Der klare Fokus der Uffizien liegt jedoch bei den Gemälden der Renaissance.

Die bedeutendsten Künstler ihrer Zeit wirkten in Florenz: Botticelli, Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael. Insbesondere die Medici beauftragten sie immer wieder, um ihre Macht greifbar und sichtbar zu machen. Nirgendwo wird das deutlicher als im Botticelli-Saal.

Dort hängen zwei Werke, die zusammen gehören und doch jedes für sich eine Welt sind. Die Geburt der Venus — das wohl bekannteste Gemälde der Uffizien — wurde um 1482–85 im Auftrag von Lorenzo di Pierfrancesco de' Medici geschaffen und hing ursprünglich in seiner Villa Castello nahe Florenz. Erst 1815 gelangte sie in die Uffizien. Sie war die erste Verherrlichung eines nackten Frauenkörpers seit der Antike — in einer Zeit, in der Auftragsarbeiten fast ausschließlich religiösen Bezug hatten, war das eine Revolution.

Direkt daneben hängt La Primavera — Der Frühling. Ebenfalls von Botticelli, entstanden um 1482. Die genaue Bedeutung des Bildes gilt in der Kunstwissenschaft bis heute als nicht überzeugend geklärt. Über 190 Pflanzenarten wurden darin verewigt, von denen 130 botanisch identifiziert werden konnten. Neun mythologische Figuren versammeln sich in einem Orangenhain — Venus im Zentrum, die drei Grazien tanzend zur Linken, Merkur, Zephyr und die Göttin Flora zur Rechten. Das Gemälde lebt durch die Bewegungen und versprüht eine gewisse Lebendigkeit. Aufbruch, Neuanfang — wie der Frühling eben. Unschuld, Neugier und Verführung. Je länger man es betrachtet, desto mehr Fragen stellen sich einem, und umso interessanter wird es für den Betrachter.

Die Tribuna

Wenn man den Rundgang fortführt kommt man plötzlich an einen Raum vorbei, der einen innehalten lässt: die Tribuna. Der achteckige Prunkraum wurde 1584 von Architekt Bernardo Buontalenti erbaut und war von Anfang an als Herzstück der Medici-Sammlung konzipiert — ein Raum eigens für die kostbarsten Werke. Jedes Detail des Raums trägt eine kosmologische Bedeutung: die Wetterfahne an der Spitze symbolisiert die Luft, die perlmuttbesetzte Kuppel verweist auf das Firmament und das Wasser, die roten Wände stehen für das Feuer. In der Mitte thront ein prächtiger achteckiger Marmortisch. Dahinter steht auf einem Sockel die Venus Medici — eine antike Marmorstatue aus dem ersten Jahrhundert v. Chr., die 1677 von Rom nach Florenz geschickt wurde. Der Grund soll wenig überraschend sein: Der Papst hielt sie für zu unzüchtig. Was sie so besonders macht, geht jedoch über ihre bewegte Geschichte hinaus — sie gilt als direkte Vorlage für Botticellis berühmte Geburt der Venus, die nur wenige Räume entfernt hängt. Die Statue und das Gemälde im selben Museum zu sehen gibt beiden Werken eine völlig neue Tiefe.

Die Tribuna

Mit der Venus Medici die einst als Vorlage für Botticellis Geburt der Venus diente.



Niobe und ihre Kinder

Auf der anderen Seite des Museums, in Saal 42, erwartet uns eine völlig andere Szenerie. Der Saal wurde 1781 eigens gestaltet, um diese einzigartige Sammlung antiker Skulpturen zu beherbergen. Der rechteckige Raum mit seinen hohen Wänden und den Rubens-Gemälden beherbergt 13 Skulpturen der Niobe und ihrer Kinder.

Die Skulpturen sind antike römische Kopien griechischer Originale aus dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. Während die Mittelfigur — Niobe selbst — ihre jüngste Tochter verzweifelt an sich presst und den Blick flehend zum Himmel richtet, zeigen die übrigen Figuren die Kinder in verschiedenen Momenten ihres Schicksals: Einige versuchen noch zu fliehen, sich entsetzt nach den Pfeilen umblickend — andere sind bereits getroffen und fallen oder liegen tot am Boden. Kein Triumph, keine Aktion — nur der Moment des absoluten Verlustes.

Und dann blickt man nach oben. Ein prunkvolles Gewölbe in Gold, aufwendige Stuckreliefs und vergoldete Muster. In den Lünetten der Decke sind Apollo und Artemis abgebildet — jene Götter, die das Unheil über Niobe und ihre Kinder brachten. Skulpturen, Gemälde, Decke — der Saal erzählt eine Geschichte und ist für sich ein Gesamtkunstwerk.

Niobe

mit ihre jüngste Tochter verzweifelt an sich presst und den Blick
flehend zum Himmel gerichtet.

Der Raum ist ein Gesamtkunstwerk

Das prunkvolle Gewölbe in Gold mit aufwendigen Stuckreliefs und vergoldete Muster.

Der erste Teil neigt sich dem Ende zu

Nachdem wir diesen Saal verlassen haben und die vertraute Welt der Medici und Renaissance hinter uns lassen, tauchen wir ein in neue Epochen, andere Stile, neue Blicke auf die Welt. Manierismus, Barock, flämische und niederländische Meister — die Sammlung spannt einen Bogen, der weit über Florenz hinausreicht.

Weite Blicke und eine kurze Auszeit bietet das Café der Uffizien — mit Blick über die Dächer von Florenz, lassen sich die Eindrücke des ersten Teils Revue passieren. Nach der Pause machen auch wir weiter mit einem zweiten Teil und den Highlights aus Manierismus und Barock.

Blick über die Stadt

Der zweite Teil zu den Uffizien mit meinen ganz persönlichen Eindrücken folgt in Kürze.


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